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Meine Kirgisien-Reise

selbst organisiertes & einzigartiges Erlebnis

Mein Name ist Jakob Pfeiffer, ich bin 30 Jahre alt und von Beruf Lehrer. Reisen wurde mir mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Als ich ein Jahr alt war, ging mein erster Auslandsaufenthalt nach Südafrika. Dem folgten im Laufe meines Lebens Kenya, Tanzania, Zimbabwe, Süd-, Mittel- und Nordamerika, Skandinavien und viele mehr.

Im Sommer 2018 probierte ich einen neuen Landstrich aus. Auch wenn ich schon viel herumkam, hat sich wohl am meisten Asien meinem Betrachtungswinkel entzogen. Ok, zugegeben waren Sri Lanka und Indonesien dabei, allerdings würde ich diese Länder eher dem klassischen Tourismus zuordnen. Ich wollte etwas sehen, was vorher nicht viele gesehen haben und durch den Tipp meiner Schwester fiel meine Wahl auf Kirgisien.

Wem das gar nichts sagt - Kirgistan oder Kirgisistan sind ebenfalls offizielle Bezeichnungen. Das Land befindet sich eingekreist von China, Usbekistan, Kasachstan und Tadschikistan mitten in Zentralasien.

Vorstellungen hatte ich überhaupt keine. In meinem Kopf kursierten Bilder von Nomaden und großen Wiesenflächen, mehr aber auch nicht. Als ich das erste Mal den Reiseführer dazu aufschlug, in deutscher Sprache gibt es genau zwei dazu, kam ich dahinter, dass es wohl recht bergig zur Sache gehen wird. Über 90% der Landesfläche befinden sich auf mindestens 1500m Seehöhe.

Der Plan war, das Land eigenständig mit einem Mietauto und GPS Koordinaten zu bereisen. Als Partner stand mir mein Vater zur Seite, der für dieses Projekt denselben Enthusiasmus hatte wie ich. 16 Tage hatten wir dafür Zeit und wir flogen von Wien über Istanbul in die Hauptstadt Bischkek.

Bis auf GPS Koordinaten und einen Reiseführer, den nicht wirklich jemand von uns gelesen hatte, war es durchaus ein Flug ins Ungewisse.

In Bischkek angekommen waren wir von Tag eins an bereits begeistert. Ein dermaßen begrüntes Stadtzentrum mit so wenig Verkehr habe ich noch nie gesehen und wir sprechen immerhin von Asien und ich lebe in Wien (9 mal ausgezeichnet als lebenswerteste Stadt der Welt).

Nach einer Nacht in einem wunderschönen Hotel ging es mit dem Taxi zum Autoverleih und dann direkt los zu einem ausgetrockneten Canyon, den wir bis zu seinem Ursprung durchwandern sollten. Der Weg mit dem Auto (ca. 2 Std) bis zum Start faszinierte uns bereits. Perfekte Straßen, endlose Wiesenflächen, Wildblumen überall, viel unberührte Natur (28 Einwohner pro km2, Deutschland: 232 Einwohner pro km2). Der Canyon selbst zeigte uns die ersten Sandsteinformationen unserer Reise und für botanisch Interessierte gab es in ihm auch einiges zu sehen. Wir merkten bereits an den ersten zwei Stunden Autofahren, dass dieses Land eindeutig von seiner Landschaft und unberührten Natur lebt. Somit blickten wir den nächsten 14 Tagen mit freudiger Erwartung entgegen.

Die nächsten Tage fuhren wir im Bereich des großen Sees namens Issyk Kul umher und sammelten weiter faszinierende Eindrücke. Der Issyk Kul ist mit 182km Länge, 60km Breite und bis 668m Tiefe, nach dem Titicacasee, der zweitgrößte Gebirgssee der Welt. Heute ist er ein Naturschutz- und Erholungsgebiet (in der Sowjetzeit noch Testgebiet für U-Boote), zu dem viele Kirgisen über die Wochenenden mit eigens installierten Busrouten reisen. Apropos Bus, der Busverkehr wird in Kirgisien stark genutzt, da hier wenige ein eigenes Auto haben. Im ganzen Land stehen deshalb auch Autostopper auf der Straße und fragen freundlich nach Mitfahrgelegenheiten.

Da ich auch so gut es geht versuche, meinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten (ja ich weiß, lange Flugreisen tragen nicht wirklich dazu bei), hat mir besonders die Art unserer Unterkünfte gefallen. Natürlich, im Land der Nomaden ist es nur allzu logisch, die Nächte in Yurten zu verbringen! Jurten bestehen aus Filz und Holz, sind somit zu 100% aus Naturstoffen gefertigt und beheizt werden sie mit Kot der Weidetiere. Sollte es elektrisches Licht geben, dann wird der Strom hierfür aus einer kleinen Solarzelle am Dach gewonnen. Natürlich hat ein 5-Sterne-Hotel mehr Luxus zu bieten als einen warmen Innenraum und eine weiche Matratze, aber wenn ich ein Land bereise und Meter machen möchte brauche ich nicht mehr und unterstütze so gleichzeitig die einheimischen Nomaden, die so ihre traditionellen Lebensweisen hochhalten.

Beeindruckend waren nahe am See die Sandsteinformationen von Skazka und das Trogtal auf dem Weg zur Hochebene von Arabel (3600m). Vor allem wenn man die Sandsteinformationen gegen Sonnenuntergang besuchte, ergaben sich beindruckende Licht/Schattenspiele. Gefallen hat uns auch, dass bei Skazka keine unnötigen Verbauungen durchgeführt wurden. Obwohl es als große Touristenattraktion gilt, befand man, dass eine Holzhütte zum Entrichten des Eintritts ausreichend ist.

Nach einigen Tagen in dieser Region ging es in die Berge an den Kyol Ukyok und den Kyol Tor, zwei kleine Gebirgseen, in ein weiteres Yurtencamp. Wir konnten mit dem Auto relativ weit auf den Berg zufahren, mussten die letzten Kilometer jedoch in einer ca. 4 stündigen Wanderung bewältigen. Wohl eine der schöneren, die ich je gemacht habe. Almwiesen, Edelweiß, Vergissmeinnicht, hier und da ein Murmeltier, dann ein Bach, wie bei uns in den Alpen aber irgendwie doch anders. Unser Yurtencamp lag direkt am See und das perfekte Panorama war somit gegeben.

Danach ging es langsam aber doch wieder in die Hauptstadt zurück, wo uns bei unserer Ankunft angenehme 40°C erwarteten. Im Flugzeug spielten wir mit dem Gedanken wieder zu kommen und uns nächstes Mal den Osten genauer anzusehen. Kirgisien ist ein lohnendes Ziel!