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Island - immer oben auf der Karte!

Auch wenn die Reise schon 2012 stattgefunden hat, sollte sie aufgrund ihrer unglaublichen Schönheit auf dieser Seite dennoch angeführt sein. Eigentlich bin ich eher der Strandurlauber, der gerne ins Warme fährt. Aber im Winter 2011/2012 überredete mich mein bester Freund einmal etwas Neues auszuprobieren und im folgenden Sommer nach Island zu fliegen. Die Idee war eine Inselumrundung über die äußere Ringstraße, wobei wir noch bevor wir dort waren uns eingestehen mussten, dass 16 Tage vor Ort dafür zu wenig sein werden. Somit wurde es eine halbe Umrundung. Durch das Landesinnere von Süden nach Norden und dann über den Osten wieder retour nach Reykjavik.

Der Plan war, das Land in all seinen Zügen zu „spüren“, so viel als möglich zu sehen und das so günstig wie möglich. Einen guten Kompromiss fanden wir im Mieten eines Geländewagens mit Allradantrieb (ohne Allrad keine Chance, weder im Landesinneren noch versicherungstechnisch), der genug Platz bot um darin zu nächtigen – Unterkünfte orientierten sich am skandinavischen Preisniveau und waren für uns daher zu teuer. Zudem hatten wir die Absicht, so viele Wanderungen wie möglich zu absolvieren, um die Gegend nicht nur durch eine Autoscheibe betrachten zu müssen.

Nachdem wir in Reykjavik angekommen waren und unser Mietauto abgeholt hatten, ging es bereits ins Landesinnere zu einem Geysir, dem bekannten „Strokkur“. Schon auf dem Weg dorthin hatte uns Island gezeigt, was wir damit verbanden: Raue, baumlose Landschaften, Regen, Nebel, Wind, Kälte. Jeder normale Mensch würde sich in dieser Situation denken „na toll, was für ein Urlaub?!“. Das dachten wir uns auch, allerdings mehr „Wow, was für ein Urlaub! Das Land zeigt sich unverfälscht, genau wie es ist und sein sollte. Was für ein Glück!“.

Danach suchten wir uns den ersten Schlafplatz. Wir wollten mit unserem wilden Campieren keine Locals stören, doch dies entpuppte sich als ein Leichtes. Bei einer Bevölkerungsdichte von 3,4 Einwohnern pro km2 (Deutschland 232 pro km2) muss man mehr darüber nachdenken, ob man es noch zur nächsten Tankstelle schafft und nicht, ob man im Vorgarten von jemanden sein Auto parkt.

Wir machten uns dann langsam auf Richtung Landmannalaugar, einem Gebiet ca. 180 km von Reykjavik entfernt. Hier wird empfohlen zu wandern und die Stille zu genießen. Das taten wir. Vorbei an dampfenden Quellen (baden kein Problem), vorbei an den bunten Bergen, manchmal ein Schneefeld, hier und da eine Schwefelquelle, Wiese, Sand und Stein – das alles bei ca. 2 Stunden wandern. Die Natur zeigt hier was sie kann. Geologisch Interessierte kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch wenn das auf mich nicht zutrifft, kann ich an dieser Stelle sagen, ich kann mir keinen Menschen auf der Welt vorstellen, der diese Landschaft nicht beeindruckend finden würde. Nach einer Nacht im Auto ging es weiter Richtung Norden.

Ein Highlight erreicht uns dann im Ort Husavik, an der Nordküste der Insel – Whalewatching! Es wird bei den dortigen Anbietern mit einer 98 prozentigen Wahrscheinlichkeit geworben, Wale zu sehen. Wir ließen uns nicht lange bitten und gingen an Bord. Eingekleidet wird man in Overalls, die denen der Krabbenfänger in der Bering-See ähneln – sehr lustig. Es war das erste Mal für meinen Freund und mich, bei ca. 0°C und einem Schneesturm, auf einer Art Fischkutter in einer äußerst rauen See unterwegs zu sein. Wir kannten das eher mit 30°C und einer Taucherbrille. Wahrscheinlich hat uns gerade dieser extreme Kontrast so gut gefallen. Nach kurzer Zeit war es dann so weit, ganz nah am Boot – ein Buckelwal! Wir hatten das Glück, dass der Wal aus eigenen Stücken neben unserem Boot auftauchte, sich kaum bewegte und dann langsam wieder hinabtauchte – ein unvergessliches Erlebnis.

Schließlich ging es weiter Richtung Osten und wir schliefen am Fuße des Vulkans Askja, neben einer von Pfadfindern betriebenen Schutzhütte. Ja neben, wir wichen von unserem „Autoschlafplan“ stur nicht ab – gut so. Eine junge Frau war selbst für diese Woche für die Bewirtschaftung der Hütte verantwortlich und erzählte uns, dass es in Island üblich sei, als Jugendlicher in einer Pfadfindergruppe oder ähnlichem zu sein und dann mehrmals einige Tage im Jahr eine Schutzhütte zu bewirtschaften oder sich anderweitig für den organisierten Naturschutz einzusetzen. Allerdings musste wir ihre Geschichten abrupt unterbrechen, da draußen am Nachthimmel unsere ersten Nordlichter zu sehen waren – wunderschön!

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden zum berühmten Gletschersee Jökulsarlon, der vom Gletscher Vatnajökull gespeist wird. Es offenbarte sich uns ein Naturschauspiel der Extraklasse. Riesige Eisberge, die vom Gletscher abbrechen, schwimmen in den See, ehe sie auf das offene Meer hinaustreiben. Durch die Brandung werden die kleinen Eisberge an den schwarzen Sandstrand geschwemmt, wo sie dann wie Skulpturen aufgestellt dastehen, bis sie irgendwann schmelzen – toll.

Island hat aufgrund seiner geringen Bevölkerungsdichte so viel Ruhe und gleichzeitig Naturschauspiele der ganz besonderen Art zu bieten. Wer einsame, schroffe Wildnis gepaart mit unvergleichlichen Ausprägungen der Natur erleben möchte ist hier genau richtig. Ich garantiere, man wird es nicht bereuen – egal wie das Wetter ist.