Sie haben Fragen?

Down Under - wieviel Abenteuer ist zu viel Abenteuer?

Hallo, grüß Gott und Servas: Mein Name ist Elisa und wie viele Gleichgesinnte habe auch ich meine Leidenschaft im Reisen gefunden. Schon als kleines Kind hatte ich das große, große, Glück, nicht nur jeden Sommer in Spanien zu verbringen, sondern auch oftmals meinen Vater auf Geschäftsreisen zu begleiten. So habe ich schon in jungen Jahren gelernt, was es heißt, respektvoll anderen Kulturen entgegenzutreten und vor allem an welche Spielregeln man sich in unbekannten, womöglich gefährlichen Situationen zu halten hat. Diese Weisheiten habe ich in vielen (Solo-) Reisen anwenden dürfen und auf meiner bislang extremsten Reise perfektioniert: Australia, mate!

21. September 2017: Die Reise mit Snow-, Surfboard und Bergschuhen im Gepäck beginnt. In 23 Stunden um die halbe Welt! In Sydney angekommen und ein Vegemite-Sandwich später (Vegemite: eine braune, salzige Paste aus Hefeextrakt; typisch für Australien. Australier sind jedoch die einzigen, die davon so richtig schwärmen) räumen mein damaliger Freund und ich unser Auto bzw. Zuhause für die kommenden Monate ein und die Reise Richtung Süden geht los.

Erster Stop: Tourengehen in Jindabyne, New South Wales.
Jindabyne (heißt Tal in Sprache der Aborigines) ist etwa 460km von Sydney entfernt und vor allem im Winter ein Schneemekka (für australische Verhältnisse). In mehreren Etappen erkunden wir mit unseren Splitboards (ein Snowboard, das sich für das Tourengehen in zwei Teile teilen lässt) die hüglige Landschaft, sind auf der Suche nach interessanten Rinnen, schönen Aussichten und erklimmen schließlich den höchsten Punkt des Landes, Mount Kosciuszko (2.228m). Anders als im alpinen Bereich Zentraleuropas, sind die Berge dort buckelig und niedrig und ermöglichen dadurch einen sehr weiten Panoramablick. Am Weg zurück von einem erfolgreichen Tag am Board passiert jedoch dererste Faux-Pas: Die Brücke, die wir überqueren sollten um zum Auto zu kommen, existiert nicht mehr! Später stellt sich heraus, dass diese Überquerung nur im tiefen Winter möglich ist, weil es sich um ein Schneekonstrukt handelt. Die Temperatur beginnt zu sinken, das Licht wird schwächer und die Schneedecke vereist nach und nach zu einer harten Harschdecke. Trotz Müdigkeit sind Jammern und Pausieren keine Optionen und wir versuchen in schnellstem Tempo auf die andere Seite des Berges zu kommen. Dabei ist jeder Schritt eine Herausforderung und ein Abrutschen würde mit einem Fall in den Eis-Wasser- Fluss mit starker Strömung enden. Anstrengung, Spannung und Angst liegen in der Luft, bis wir uns (endlich!) gegen 22:00 in Sicherheit wiegen und erschöpft die ungewollte 14-Stunden Tour beenden. Daraufhin erklären wir die Winter- und Bergregion für erledigt.

Zweiter Stop: Tathra, New South Wales.
Sommer, Strand und Meer- auf geht’s! Gemütlich fahren wir in mehreren Etappen weiter in den Süden. Aufgeregt vom Lärm der brechenden Wellen begebe ich mich zum Strand, um dort nicht nur Wale im Wasser, sondern auch meine allerersten (lebenden) Kängurus zu sehen! (Leider muss ich „lebend“ hinzufügen, da man an den Straßenrändern oftmals angefahrene, tote Kängurus sieht). Mit Joes im Beutel, (das sind die kleinen, noch bei der Mutter lebenden Kängurus), springen eine ganze Gruppe am Strand herum, schauen, fressen und putzen sich.
Wir beobachteten die Wellen, essen Frühstück im Auto und machen uns bereit für die erste Surfsession – doch dann der Dealbreaker: Eine Hai-Finne im Wasser! Danke nein, das Surfen an diesem Strand war somit Geschichte.

Die Reise geht weiter: Wilsons Promontory National Park, Victoria.
Wilsons-Promontory ist ein Nationalpark, der an der Südspitze liegt. Der größte Teil der Halbinsel ist nicht befahrbar, weshalb es vor allem für begeisterte Wanderer ein heißer Tipp ist. Die Gegend brilliert mit einzigartigen Stränden, unglaublicher Flora und Fauna und einer Menge gut beschriebener Wanderwege. Wir entscheiden uns, die Gegend genauer zu erkunden und machen uns mit Schlafsack und Zelt auf den Weg. In zwei Etappen zu je 16km wandern wir durch Strände, Wälder und an Bergen vorbei. Wilsons Promontory ist definitiv eine atemberaubende Destination und jedem naturaffinen Reisenden zu empfehlen.

Next stop: Oodnadatta Track, South Australia
Vom Nationalpark nach Melbourne, über die Great Ocean Road weiter nach Adelaide bis hin zum nächsten Highlight: Die australische Wüste! Nach einigen wichtigen Anpassungen am Auto und gewappnet mit langer Hose und hohen Schuhen geht es in die heißeste Destination Australiens. Über die Erfahrungen in der Wüste könnte ich ganze Bücher schreiben, hier jedoch eine kurze Zusammenfassung:
Die australische Wüste bietet viele Facetten und ist alles andere als ein Kindergeburtstag: von Schlangen hin zu wilden Hunden (Dingos) und mittendrin diverse Aborigines -Stämme. Bevor wir unsere weite, heiße Reise begannen, bekamen wir viele Ratschläge, die es dringend zu beachten gilt. Der Wichtigste: Entferne dich niemals zu weit vom Auto! Jetzt weiß ich auch warum: Wir fuhren hunderte von Kilometern ohne eine andere Person zu sehen, sahen jedoch viele verlassene Autos, die durch Vandalismus komplett (!!) zerstört waren. Ein anderes Mal fuhren wir mit etwa 70 km/h auf den holprigen Straßen des Oodnadatta Tracks, als uns ein Dingo überholte. Wären wir diesem Tier auch nur 30m von unserem Auto entfernt begegnet, so wären wir wohl nicht heil aus dieser Situation herausgekommen. In einer Bar mitten im Nirgendwo lernen wir Weiteres über die Problematik der Co-Existenz von Aborigines und der „neuen Kultur“, die oft in Gewalt undVandalismus ausartet und somit die zerstörten Autos erklärt.

Nach etwa zehn Tagen in der Wüste setzen wir, ausgebrannt und fertig, unser Abenteuer in Byron Bay, ein traumhafter Ort an der Nordküste von New South Wales mit knapp 5.000 Einwohnern, fort. Byron Bay ist für seine idyllischen Strände, perfekten Wellen und einladenden, kreativen Märkte bekannt. Ob die Wellen tatsächlich so gut sind, wollen wir natürlich aus erster Hand erfahren, weshalb wir uns mit Bikini und Board sofort ins Wasser wagten. Nach zwei Stunden feiner Wellen, entschließe ich mich dazu meine letzte Welle der Session anzupaddeln, weshalb ich mich höchst motiviert ein letztes Mal hinausbegebe. Plötzlich schnürt es mir komplett die Kehle zu und alle Alarmglocken in mir läuten auf höchster Ebene. Nicht weit von mir, womöglich 20m, eine Finne so groß wie mein gesamter Oberkörper. Und ich als Nächste zu ihr! Trotz der unglaublichen Angst ist der Kopf so klar wie selten zuvor. Nix wie weg! Im gleichen Moment kommt Gott sei Dank eine Welle, die mich ein ganzes Stück näher zum Strand bringt, wo auch schon alle anderen stehen und schauen.
Wenige Tage später flog ich zurück nach Wien, wo ich wenige Stunden später durch den Wiener Wald spazierte. Eines kann ich nun mit Gewissheit sagen: Noch nie hat es sich so gut angefühlt ohne Angst vor Schlagen und Spinnen durch Laub zu gehen. Wie viel Abenteuer zu viel Abenteuer ist, werde ich wohl nie richtig beantworten können. Was ich aber bestimmt weiß: Langweilig wird einem in Australien nicht!